Die Tempelreinigung

Um die Tempelreinigung, seine Hintergründe und seinen Sinn zu verstehen lesen Sie bitte zunächst den Beitrag über die damaligen Zustände zu Ostern: Bitte hier klicken

Jesus: Ich aber sagte zum Petrus: »Gehe hin dort zu dem Seiler, kaufe ihm drei starke Stricke ab und bringe sie hierher!«

Petrus tat das sogleich und brachte Mir drei starke Stricke, die Ich schnell zusammenflocht und Mir sonach eine starke Geißel anfertigte. Mit dieser Geißel in Meiner Rechten sagte Ich zu allen, die mit Mir waren, und zu Meinen Jüngern: »Kommet nun mit Mir in den Tempel und seid Zeugen; denn es soll sich nun Gottes Macht und Herrlichkeit an Mir abermals vor euren Augen bewähren!«

Nach diesen Worten ging Ich natürlich voran in den Tempel, und wie Ich ging, wich alles zurück, und die Mir folgten, hatten nach Mir einen guten Weg; freilich war der Boden voll Geflades und Unrats.

In der letzten Vorhalle des Tempels angelangt, in der die vorzüglichsten Ochsen- und Schafhändler ihr Vieh zum Verkauf aufgestellt hatten, und zwar auf der linken Seite, während die rechte Seite durch alle drei Hallen die Wechsler im Beschlage hatten, stellte Ich Mich auf die Torstufen und sagte mit einer donnerähnlich starken Stimme: »Es stehet geschrieben: Mein Haus ist ein Bethaus; ihr aber machet es zu einer Mördergrube! — Wer hat euch dazu ein Recht erteilt, den Gottestempel also zu entheiligen!?«

Sie aber schrien: »Wir haben unser Recht vom Hohenpriester teuer erkauft und stehen unter seinem Schutze und unter dem Schutze Roms.«

Jesus: »Unter solchem Schutze stehet ihr wohl; aber Gottes Arm ist wider euch und eure Schutzmeister. Wer wird euch vor diesem in Schutz nehmen, so Er über euch und eure Schutzmeister ausgestreckt wird?!«

Sagen die Verkäufer und Wechsler: »Im Tempel wohnet Gott, und die Priester sind Gottes; können diese wider Seinen Rat etwas tun? — Wen sie schützen, den schützt auch Gott!«

Sage Ich mit einer sehr lauten Stimme: »Was redet ihr unsinnigen Frevler. Die Priester sitzen wohl noch auf den Stühlen Mosis und Aarons; aber sie dienen nicht mehr Gott, sondern dem Mammon, dem Teufel dienen sie, und ihr Recht und euer Recht ist ein Recht der Teufel und ewig nie ein Gottesrecht! Darum erhebet euch nun augenblicklich und räumet die Halle, sonst soll es euch übel ergehen!«

Da fingen sie an zu lachen und sagten: »Da seht einmal die Keckheit dieses gemeinsten Nazaräers an! — Werfet ihn doch geschwinde zum Tempel hinaus!« Darauf erhoben sie sich und wollten Hand an Mich legen.

Hier erhob Ich Meine Rechte mit der Strickgeißel und fing an, sie über ihre Köpfe mit göttlicher Gewalt zu schwingen; wen die Geißel traf, der wurde augenblicklich von heftigsten, nahe unaushaltbaren Schmerzen befallen, und eben also auch das Vieh. Es entstand im Augenblick ein fürchterliches Menschen- und Viehgeheul, und das Vieh floh gewaltig und stieß, was ihm in den Weg trat, nieder, und ebenalso flohen auch die Verkäufer und Käufer unter furchtbarem Schmerzgeschrei; Ich aber stieß alle Wechselbuden um und verschüttete alles Geld, das auf denselben lag, bei welcher Arbeit Mir auch die Jünger behilflich waren.

Ich trat darauf in den Tempel, allwo noch eine Menge Taubenkrämer mit ihren Taubenkäfigen voll Tauben aller Art und Gattung auf die Käufer harrten. Weil diese Krämer gewöhnlich Arme waren und gerade auf keinen Gewinn ausgingen und der Taubenverkauf im Tempel schon eine alte Sache war, freilich in alter Zeit nur im ersten Vorhofe des Tempels üblich, so ermahnte Ich diese Armen bloß und sagte: »Traget das hinaus und machet Meines Vaters Haus nicht zu einem Kaufhause; im äußersten Vorhofe ist der Ort für dergleichen!«

Diese Armen entfernten sich darauf auch ohne Widerrede und nahmen im äußersten Vorhofe ihren alten Platz ein.

Auf diese Weise war nun der Tempel gereinigt.

GEJ, B1, K13, A5