Wie die Volksbeherrscher glauben

VIENNA - JANUARY 15: Mosaic of Last supper of Jesus by Giacomo Raffaelli from year 1816 as copy of Leonardo da Vinci work on January 15. 2013 in VIenna. Copyright: Fotolia, Datei: #64359927, Urheber: Renáta Sedmáková

Jesus: Um die eigentliche Wesenheit Gottes kümmert sich ein Völkerbeherrscher äußerst wenig oder gar nicht. Er macht dann und wann äußerlich die vorgeschriebenen Zeremonien wohl mit, um das Volk glauben zu machen, wie hoch er selbst dessen Götter verehre; bei sich selbst aber ist und bleibt er – was das Weltleben betrifft – ein Epikureer und – was seinen Glauben betrifft – entweder ein Kyniker oder Sadduzäer, die an ein Fortleben der Seele nach dem Tode nicht glauben. Und wie der Beherrscher für sich denkt, so denken auch besonders die hohen Priester.
Will er mit irgendeinem seiner Nachbarn einen Krieg anfangen, so wissen die hohen Priester schon, wie sie zum voraus seine Völker zu bearbeiten haben, damit diese durch die Unterpriester bearbeitet werden, daß der bevorstehende Krieg von dem Willen der Götter ausgeht und der König, als der Repräsentant seiner Völker vor den Göttern, nicht umhin kann, ihrem durch die hohen Priester kundgegebenen Willen auf das eifrigste nachzukommen.
Dadurch werden die Völker nach der Elle breitgeschlagen, werden willig und eifrig, die von dem König benötigte Kriegsbeisteuer zu bezahlen, und machen sich selbst eine übergroße Ehre daraus, so sie noch bei guten Kräften sind, mit den Waffen in der Hand den Krieg mitzumachen.


Text: GEJ, B10, K150, A8-10
Abbildung:
VIENNA – JANUARY 15: Mosaic of Last supper of Jesus by Giacomo Raffaelli from year 1816 as copy of Leonardo da Vinci work on January 15. 2013 in VIenna. (© Renáta Sedmáková / Fotolia.com)
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