Geistige Besetzungen

Ein Engel an Jesus Seite: Willst du in der Freie nicht von den stechenden Insekten belästigt werden, so wasche und reinige dich von dem törichten Honiganstrich, und du wirst Ruhe haben. Und willst du keine deine Seele schwächenden und belästigenden Dämonen in deiner Außenlebenssphäre, so erwähle dir des Herrn dir bekannte Ordnung zu deinem Lebensgrundsatz, und ich stehe dir dafür, dass dir kein Dämon in die Nähe deiner Lebenssphäre kommen wird!
Glaube es mir, wenn du nicht mit irgendeiner in und aus dir selbst entstandenen Lebensverkehrtheit die Dämonen anlockst und anziehst, so werden sie dich sicher nicht anziehen, verlocken und verführen. Hast du sie aber angezogen, so musst du es dir dann selbst zuschreiben, wenn sie deine Seele in einer und derselben Leidenschaft durch ihren Andrang noch mehr verhärten, ohne es eigentlich zu wollen. Ich sage es dir: Ein jeder Mensch wird zuerst aus sich selbst schlecht und der göttlichen Ordnung abtrünnig! Dazu wird er freilich wohl zumeist durch eine ganz verkehrte Erziehung vorbereitet und gerät also in allerlei üble Leidenschaften und aus diesen in allerlei wahre Sünden. Durch diese aber öffnet er dann auch allen argen fremden Einwirkungen die Türen und kann so in Grund und Boden des seelischen Lebens verdorben werden und auch bleiben — aber doch immer nur, wenn er es also will.
Will er sich ändern, so steht ihm vom Herrn aus nichts im Wege; denn ein Bedrängter darf ja nur den leisesten Wunsch in sich äußern, und es wird ihm alsbald Hilfe gegeben. Aber so er sich in seiner Bosheit ganz wohl und zufrieden befindet und nie einen bessern Wunsch von sich und in sich vernehmen lässt, da freilich wird ihm in seinen Willen keine besondere Einstreuung gemacht.
Wohl wird ihm das Gute in seines Herzens Sensorium, das man >Gewissen< nennt, eingeflüstert, und er bekommt von Zeit zu Zeit ganz tüchtige Mahnungen von uns aus. Kehrt er sich nur einigermaßen daran, so ist da von einem Verlorengehen und Verdorben werden keine Rede mehr. Da kommt dann die geheime Hilfe unablässig von oben und verleiht der Seele stets Einsicht und Kraft, sich aus dem großen Gewirre mehr und mehr loszumachen. Und es gehört dann nur so ein wenig guten Willens dazu, und es geht dann schon recht hurtig vorwärts — wenigstens bis dahin, wo der Mensch, für eine höhere Offenbarung geeignet, vom Geiste Gottes selbst ergriffen und im wahren Lebenslichte weitergeführt wird.
Aber natürlich, wo sich der Mensch in seiner groben Verblendung und in seinem Weltsinnenrausch an die gar sanften und leisen Mahnungen, von uns ausgehend und sich im Herzen kundgebend, gar nicht im geringsten kehrt, sondern schon gleich tut, als wäre er ein Herr der ganzen Welt — ja, da hat dann etwa doch wohl niemand anders die Schuld am unverbesserlichen Zustande der Seele als eben die Seele selbst!


Quellenangaben
Text: Das wichtigste Buch der Bruno Gröning Freunde, 2. Auflage, Seite 63
Abbildung: Bethlehem Christmas. Star in night sky above Mary and Joseph. (© Joseppi / Fotolia.com)
Literaturempfehlung: Das wichtigste Buch der Bruno Gröning Freunde (Bitte hier klicken,um das Buch anzusehen.)